T A N Z:
Wenn die Seele wackelt
Ein Tanzstück der 1 MS Schrittmacher
Ch.: Martin Stiefermann
W I E D E R A U F N A H M E :
28.- 29. April 2001 und 1.- 5. Mai 2001
jeweils 20.30 Uhr
Choreographie / Konzeption: Martin Stiefermann
mit: Wobine Bosch, Aliksey Schoettle, Andreas J. Etter, Jorge Morro,
Bühne: Till Kuhnert, Musik: Tito Toblerone,
Licht: Klaus Dust, Kostüme: Birgit Wentsch
Dramaturgie: Heike Drisch
gefördert durch den Senat für Kultur, Stiftung Kulturfonds
unterstützt von DOCK 11 und DINAMIX
Mit "Wie Sand am Meer", einem poetischen Stück über den Augenblick der Entscheidung, begann 1998 die kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit der Gruppe 1MS Schrittmacher in Berlin. Kopf und Choreograph der Gruppe, Martin Stiefermann, erhielt seine Ausbildung und sein erstes Engagement beim Hamburger Ballett, arbeitete anschließend als freier Choreograph und war von 1995 1997 Ballettdirektor in Kiel.
Dem Schritt in die Freie Szene folgte ein intensiver Schaffensprozess. Mit 8 Tänzern, dem Lichtdesigner Klaus Dust und wechselnden Komponisten erarbeitete 1 MS Schrittmacher, nach Wie Sand am Meer das Weihnachtstück "Aus einer Wurzel zart", zwei Soli der "Freitodtrilogie", sowie das erfolgreiche Stück "Spiele der Erwachsenen" mit feinkomischen Beobachtungen aus dem Alltagsleben. Das Repertoire wurde zu Gastspielen in ganz Deutschland, zuletzt zur Tanzmesse NRW in Essen, eingeladen.
Im nächsten Jahr geht die Gruppe neue Wege. Zum einen wird Martin Stiefermann Leiter der Sparte Tanz am Oldenburgischen Staatstheater. Zum anderen wird er weiter mit 1 MS Schrittmacher als freie Berliner Gruppe jeweils ein Stück pro Jahr im DOCK 11 zur Premiere bringen und sein gesamtes Repertoire dem Berliner Publikum präsentieren. Eine rege Kooperation und der Austausch von Gastspielen zwischen Berlin und Oldenburg ist geplant.
Diese modellhafte Verbindung der Möglichkeiten und Arbeitsweisen von Staatstheater und Freier Szene befruchten sich hier in Zukunft.
IIn dem Stück der 1MS Schrittmacher "Wenn die Seele wackelt" steht die Welt am Anfang in perfekter Ordnung. Alles auf Linie, alles im Takt, die Ordnung der Dinge, die Logik der Abfolge, die Herrschaft der Zahl schafft Sicherheit. Alles messbar, alles zählbar, alles überschaubar. Wird die Ordnung gestört, gerät der Mensch aus dem Takt. Durch ritualisierte Handlung und die ständige Wiederholung immer gleicher Bewegungsabläufe oder Gedankenfolgen versucht der Mensch, die Ordnung wiederherzustellen- ein Prinzip, das sich in Zwangsneurosen pervertiert wiederfindet. Die unendliche Wiederholung einer Handlung als Mittel, die aufsteigende Angst zu bannen.1 MS Schrittmacher auf dem Weg ins choreographische Chaos, auf den Spuren der Tragikkomik der getriebenen Seele."Martin Stieferman erzählt in seinem Tanzstück von geistiger (Selbst-)Versklavung. Ein unsichtbares, autoritäres Zähl- und Messsystem kontrolliert die Menschen, die wie Rädchen im Getriebe nur noch funktionieren. Sie bewegen sich im Labyrinth des Systems, sinnlos und isoliert. Mit steifen, abgehackten Gesten stelzen die vier Tänzer der Gruppe 1 MS Schrittmacher durch den mit verknautschten Plastikwürfeln vollgestellten Bühnenraum, unaufhörlich zählend, neurotisch flatternd. Sie nehmen einander nicht wahr, und folgen, jeder für sich, einer imaginären Spur, die an kein Ziel führt... endlich dürfen die Tänzer ihre Körper im Raum sprechen lassen. Mit kindlicher Zerstörungswut ertanzen sie das Ende der autoritären Ordnung. Doch das völlige Fehlen derselben, die Freiheit im Chaos ängstigt sie."
Jana Sittnick / taz
"Das Stück ist eine Hybride an Tanz, Geometrie und Materie. Die starren, geometrischen Bilder gelingen. Auch findet der Choreograph schöne Bewegungen und Begegnungsformen. Das harte, metallische Material setzt zuweilen einen Kontrast zu den Bewegungen. ...Da triumphiert der Installationskünstler Stiefermann über den Choreographen."
Tom Mustrop / Neues DeutschlandMartin Stiefermann Ausbildung an der Ballettschule der Hamburgischen Staatsoper, mehrere Jahre Ensemblemitglied des Hamburger Balletts. Zwischen 1990 und 1992 erarbeitete er für Mitglieder des Ensembles mehrere Choreographien. 1992 Choreographen-Stipendium der intern. Tanzwochen Wien. In den folgenden drei Jahren war er als freier Choreograph u.a. für Opern und Schauspielproduktionen von Jossi Wieler, Andrej Woron, Kirsten Harms und Lore Stefanek in Basel, Berlin, Kiel und Hamburg tätig. 1993 zeigte er in der Hamburger Kampnagelfabrik seine Produktion "IM PRINZIP". 1994 choreogr. er für die Dresdner Semperoper "AUF SCHNEE". Von 1995 bis 1997 war er Ballettdirektor an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel und Leiter der Ballettschule im Opernhaus. In dieser Zeit choreographierte er fünf Stücke. Seit 1997 ist er wieder als freier Choreograph tätig und erarbeitete mit Andrej Woron am Bremer Theater die Produktion "MARAT/SADE" und in der Lübecker Holstentorhalle: "A WAY A LONE A LAST". 1998 gründete er die Gruppe 1MS Schrittmacher in Berlin. Bisherige Produktionen im DOCK 11: Wie Sand am Meer (1998), Aus einer Wurzel zart (1998), Freitod Trilogie (1999)
Spiele der Erwachsenen (1999) Wenn die Seele wackelt (2000) Trau schau wem (2001)