RÜCKBLICK
FESTIVALPROGRAMM:
Ceci n'est pas Magritte
"Ceci n'est pas Magritte" ist ein musikalisches Schauspiel , das die Bilder- und Gedankenwelt Ren? Magrittes zum Thema hat. Das Werk des am 21. November 1898 im belgischen Lessines geborenen Malers stellt in der Geschichte der modernen Kunst ebenso wie in der surrealistischen Malerei einen Sonderfall dar: Es geht in ihm weder um den Ausdruck eines subjektiven Innenlebens noch um die k?nstlerBische Umsetzung pers?nlicher Eindr?cke, sondern darum, das "Mysterium" - eine objektive Wahrheit zwischen und hinter den Dingen - sichtbar zu machen. Ausgehend von allt?glichen Gegenst?nden, ohne den Anspruch eines besonderen individuellen Stils, konstruiert Magritte Welten, die den Betrachter n?tigen, die Logik des Wahrnehmens zu hinterfragen.
"Ceci n'est pas Magritte" f?hrt Bildinhalte und Anschauungen Magrittes schrittweise in eine zun?chst beinahe gew?hnlich anmutende Geschichte ein. Der Protagonist des St?ckes hei?t Ren? Magritte und ist als Museumsw?rter im Ren? Magritte - Museum angestellt. Seit Jahren f?hrt er ein, wie er sich ausdr?cken w?rde, solides Leben zwischen Gottergebenheit und Langeweile. Ein Abend, der f?r das Paar Magritte wie immer beginnt, wird pl?tzlich zur Kriminalgeschichte. Ein geheimnisvoller Fremder erscheint und entf?hrt Ren?s Gattin Lies, um den W?rter zu zwingen, das Bild "Le fils de l' homme" aus dem Museum zu stehlen. Um seine Frau wiederzubekommen und gleichzeitig nicht kriminell zu werden, beschlie?t Ren?, das vom Erpresser verlangte Bild zu kopieren. Von nun an beginnen Dinge zu geschehen, die eigentlich nicht geschehen sollten. Die Welt der Gem?lde des Surrealisten Magritte wird lebendig, bringt verborgene ?ngste und Sehns?chte der Figuren zum Vorschein und entfesselt eine radikale Gl?ckssuche des W?rters und seiner Besucher. Im Laufe einer Nacht bricht eine scheinbar sehr fest gef?gte Welt zusammen.
Text: Barbara Kenneweg, Musik: Hendrik Lehmann, Regie: Georg Piller
Premiere und Er?ffnung des Festivals: Freitag, den 6.11.98, 19.30 Uhr, Premierenfeier: 22 Uhr
Weitere Auff?hrungen: 7.11.98, 13.11.98, 14.11.98, 21.11.98, 22.11.98, jeweils 19.30 Uhr
sowie 27.11.98 - 28.11.98 - 29.11.98 - 4.12.98 - 5.12.98 - 6.12.98 - 11.12.98 - 12.12.98 - So 13.12.98 jeweils 19.30 Uhr
Athleten der Herzen
Ein Theaterprojekt von Absolventen der Hochschule f?r Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin. Ankn?pfend an die Freakshows der Jahrhundertwende zeigt das St?ck "Die Athleten der Herzen" vier Freaks, vier "Monster", die in der herzzerrei?enden Pr?sentation ihrer Fassaden und Eingeweiden dem Publikum einen surrealen Spiegel entgegenhalten.
Di, 17.11.98 um 22.00 Uhr und Mi, 18.11.98 um 19.30 Uhr
Die erlesene Leiche
Dreizehn Studenten des Studienganges Puppenspiel der Hochschule f?r Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin spielen Szenen mit Puppen und Objekten, inspiriert von der Bilderwelt Ren? Magrittes.
Do, 19.11.98 um 19.30 Uhr
Hier bin ich eine F?lschung wie sie ist unverf?lscht echt bin ich
Der Aufschrei einer Frau, die sich gleichzeitig angezogen und abgesto?en f?hlt als Objekt - als Modell - als Mensch.
Das Ensemble Ypsilon Y erarbeitete das Theaterst?ck nach Jean Fabres: "F?lschung wie sie ist, unverf?lscht".
Mi, 11.11.98 um 22.00 Uhr und 20.11.98 um 17 Uhr.
A Cheery Wave From Stranded Youngsters
Die holl?ndische Gruppe kitchen rec gastiert mit einer Tanzperformance von Eva Meyer-Keller beim Festival:
"Am Ende der Woche dachte sie ununterbrochen daran wo ihr K?rper aufh?rte und die Luft begann, wo genau der Punkt in Raum und Zeit war, der den Unterschied zwischen ihr und anderen ausmachte."
So, 8.11.98 und Mo, 9.11.98 um 19.30 Uhr
El paseo de Buster Keaton
Vom surrealistischen Zeitgeist beeinflu?t, machte Federico Garcia Lorca in seinem St?ck "El paseo de Buster Keaton" den Stummfilmkomiker zum Helden einer ebenso tr?umerisch-poetischen wie bizarren Geschichte.
Die Gruppe BUSTER, bestehend aus Dozenten, Studenten der Hochschule der K?nste und freien K?nstlern pr?sentiert Lorcas experimentellen Theatertext aus dem Jahre 1928 als interdisziplin?re Version mit Spiel, Live-Kl?ngen, Objekten und Super-8-Projektionen
Mi, 11.11.98 und Do, 12.11.98, 19.30h
MUSIK:
Satie-Revue
Saties Schaffenskreis beschr?nkte sich nicht nur auf die Musik, er schrieb und malte auch. Seine Gem?lde und zynisch absurde Kommentare ?ber Zeitgenossen bilden die Kulisse f?r diese musikalische Revue. Mit: Prof. Dr. Rainer Cadenbach, Anne-Lisa Nathan, Masumi Arai u.a.
Fr, 20.11.98 um 19.30 Uhr
Erik-Satie-Chansons
Die franz?sische Mezzo-Sopranistin Anne-Lisa Nathan stellt selten zu h?rende Chansons von Erik Satie vor. Bei diesen Kompositionen versuchte Satie, Sprache und Musik auf seine eigenwillige Weise zu verbinden. Es erwarten das Publikum einzigartige Leckerbissen. Klavier: Tuyet Pham
So, 15.11.98 um 17.00 Uhr
R?ves
Signora X - Sprache, J?rgen G. - Vibraphon, Perkussion, Susanna L. - Piano
+ il nostro amico sassofonista particolare Hendrik L. - Saxofone
...tr?umend in den Worten der surrealistischen Dichter Andr? Breton, Paul Eluard, Robert Desnos, Julien Gracq und der Musik von Erik Satie und J?rgen Gr?tzinger, furios, melancholisch... auf der Suche nach dem Wunderbaren - eine Reise in die surreale Galaxie.
Mi, 18.11.98 um 22.00 Uhr und w?hrend des Festbanketts am Fr, 20.11.98
Gem?seorchester
"das institut f?r transakustische forschung pr?sentiert": gemise - das erste wiener gem?seorchester
Grundgedanke des Projekts ist es, allt?gliche Klangerlebnisse musikalisch erfassbar zu machen und performativ umzusetzen. Als Arbeitsmaterial dient Gem?se, das einerseits durch seine organische Beschaffenheit einschr?nkt und andererseits durch die funktionale und gesellschaftliche Bestimmung im Alltag zu Widerstand gegen Konventionen herausfordert. Das "erste wiener gem?seorchester" wurde im Januar 1998 gegr?ndet. Seitdem arbeiten zehn Personen, die in verschiedenen k?nstlerischen Bereichen t?tig sind gemeinschaflich an Konzeption und Durchf+?hrung dieses projekts: das Instrumentarium besteht ausschlie?lich aus Gem?se, allenfalls werden zus?tzliche (K?chen-)Ger?te wie messer oder mixer eingesetzt. Dadurch entsteht ein eigenst?ndiger und v?llig neuer Klangstil, der mit herk?mmlichen Musikinstrumenten nicht zu erreichen ist.
Sa, 7.11.98 um 22 Uhr und Mo, 9.11.98 um 22 Uhr
After hours in den LANDUNGSBR?CKEN (R?ves und Satie-Chansons)
W?hrend der Surreale finden im Caf? LANDUNGSBR?CKEN im DOCK 11 jeweils mittwochs ab 22 Uhr After-hours mit K?nstler und Musikern der Berliner Surreale statt. Hiermit setzen wir die im September ins Leben gerufene Reihe "funkelnde Perlen in der Ohrmuschel einer kreolischen Gurke", deren Programm unter vielen anderen von "Herr Nilsson" mit Berliner Songs.
Innerhalb der Surreale gestalten am 11.11.98 Anne-Lisa Nathan (Satie Chansons) und am 18.11.98 J?rgen Gr?zinger und Hendrik Lehmann (surr. Agitation) das Programm.
Mi, 11.11. und Mi 18.11.98 jeweils 22.00 Uhr
Nevergreens
Nevergreen ist ein Musikformat, bei dem 4 - 6 Musiker einsam, live und gleichzeitig zu Evergreens spielen. Jeder Musiker h?rt nur das Original und sich selbst. Die Egojams der Musiker werden direkt auf das Pult eines DJ/Mixers geleitet, der sie sodann zu einem "Nevergreen" verarbeitet. Das Publikum h?rt nur den Nevergreen.
Aus Anla? der Berliner Surrealen spielen in Berlin weltber?hmte Musiker im Bigbandstudio im Haus des Rundfunks und werden auf die B?hne von Dock 11 projeziert. - Aus technischen Gr?nden haben die Veranstalter durchgesetzt, da? sich das Restaurant im Fernsehturm nur f?r diese eine Nacht gegen den Uhrzeigersinn dreht.
Fr, 13.11.1998, 22 Uhr
John Cage - Konzert
Der mehrfach mit Stipendien und Preisen ausgezeichnete amerikanische Pianist Paul Rey Klecka spielt die "Sonatas and Interludes" von John Cage, die er auch schon f?r den WDR K?ln eingespielt hat. Paul Rey Klecka aus Chicago studierte in K?ln Kammermusik und Cembalo. Es folgten weitere Studien und Teilnahmen an Meisterkursen in Italien, ?stererreich, USA und Deutschland. Rundfunk- und Plattenaufnahmen und eine st?ndige Konzert?tigkeit in Europa und USA bis heute.
So, 15.11.1998, 19.30 Uhr
LESUNGEN:
Im Rahmen der BERLINER SURREALE finden im Caf? des Dock 11 verschiedene Lesungen statt:
1x1 des historischen Surrealismus
Es gibt eine Kurzfassung des 1x1 des historischen Surrealismus, also Manifeste, Interviews, Verrisse und ein bi?chen Poesie. Im Anschlu? werden kurze klassische surrealistische Filme gezeigt.
Mi, dem 11.11.98 und am Mi, 18.11.98 um 17.00h
Magritte-Lesungen
Die eigenwilligen Gedanken und Theorien des Malers Ren? Magritte werden detaillierter vorgestellt: An zwei Nachmittagen pr?sentieren wir einen Querschnitt aus seinen Notizen ?ber Kunst und Philosophie, seinen Briefen, Drehb?chern und "amentalistischen" Flugbl?ttern.
Sa, 7.11.98 und Sa, 21.11.98, 17.00h
Junge Berliner Autoren
Wir stellen Berliner Autoren vor, die - zum Teil erstmals ?ffentlich - aus ihren Werken lesen. Es handelt sich um Texte, die Parallelen oder Reibungsfl?chen zum Surrealismus haben und von heute ausgehend einen Zugang zur Surrealit?t suchen. Mit Ricoh Gerbl, Rainer Bellenbaum und Saskia Draxler.
So, 15.11.98 um 11.00 Uhr
VORTR?GE:
Surrealismus Heute
Prof. Dr.Hermann Wiesler wird in einem Vortrag die Entwicklung des Surrealismus in der Kunst von den Anf?ngen bis zur Gegenwart erl?utern.
So, 8.11.98 um 11.00 Uhr
Der Surrealismus in der Musik
Da der Begriff des Surrealismus in der Musik nie explizit thematisiert wurde, wird der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Rainer Cadenbach (Hochschule der K?nste Berlin) an diesem Abend in einem Vortrag mit Live-Musikbeispielen die vielf?ltigen Verbindungen und Bez?ge zwischen diesen beiden Bereichen aufzeigen.
Di, 17.11.98 um 19.30 Uhr
F?HRUNG:
Eine immerhin erstaunliche Entdeckung
Jakob Dobers (von der Musikgruppe "Zimtfisch") zeichnet in einem Diavortrag die Geschichte einer Berliner surrealistischen Geheimgesellschaft nach, die sich nach dem 1. Weltkrieg im Prenzlauer Berg gr?ndete und bis zum heutigen Tage besteht.
Fr, 13.11.98 um 17.00 Uhr und Do, 19.11. um 22.00 Uhr
AKTION:
Schreib- und Erz?hls?ancen
Die Technik der "?criture automatique", das hei?t die Niederschrift von Texten unter Ausschaltung jeglicher vernunftm??iger Kontrolle, wurde von den Surrealisten eingesetzt, um die unbewu?ten Urspr?nge der Kreativit?t zu erforschen. Es besteht die M?glichkeit, in zwei "S?ancen" diese Techniken zu erlernen. So, 8.11.98 um 17.00 Uhr und 22.00 Uhr
SALON / PARTY:
Burleske Bar Music (Tanz)
J?rgen Gr?tzinger - records/CDs ...sophisticated and danceable (also for surreal meditation)
vom 7.11.98 bis 12.12.98 jeweils Samstags um 22.00 Uhr
Festbankett
Zum hundertsten Geburtstag des Malers Ren? Magritte am 21.11.1998 findet in der Nacht vom 20.11 zum 21.11 im Rahmen der BERLINER SURREALE im Dock 11 ein Festbankett statt. Bei festlicher Musik und Kerzenschein werden die mitgebrachten Butterbrote ausgetauscht und die mitgebrachten Vorstellungen auf den Kopf gestellt. Inklusive musikalischer Performance "R?ves". W?rdige Kleidung und surrealistische Haltung erbeten.
Fr, 20.11.98 um 22.00 Uhr
FILM:
Surrealismus im Film
Eine eigenwillige Filmreihe von den 20er Jahren bis heute wird im Caf? des Dock 11 gezeigt. Von Bunuels Filmklassiker "Der andalusische Hund" ?ber Hitchcock, Fellini, Schvankmajer bis hin zu David Lynchs "Ereaserhead" eine Suche des surrealen Blickes nach der besonderen (realit?tssprengenden) Einstellung.
w?hrend des gesamten Festivals dienstags und donnerstags um 15.00h
Video-Wettbewerb
Im Rahmen der 1. Berliner Surreale wurde ein Kurzfilmwettbewerb ausgeschrieben. Thema der Filme war "Der surrealistische Alltag", wobei Gegenwartsbezogenheit des Surrealismus betont wird. Die Beitr?ge werden gezeigt und der beste pr?miert. Hautpgewinn ist ein Wochenende zu zweit in Br?ssel.
Di, 10.11.98, 19.30h
Dauer- / Reihenveranstaltungen:
AUSSTELLUNGEN:
Surreale Galerie
Die K?nstler Ir?ne Hug und Achim von Boxberg werden sich der R?umlichkeiten des Dock 11 annehmen und ihnen zu surrealistischem Glanz verhelfen.
Sprachgebilde aus verschiedenen Materialien, materialisierte Worte und S?tze, Licht und Schatten sind einige der Elemente in Ir?ne Hugs Installationen. Die surrealistischen Collagen von Achim von Boxberg werden im Rahmen einer Performance im Caf? des Dock 11 vorgestellt.
DETAIL
Eine Installation im Hof bzw. als Eingang zum Theatersaal von Ir?ne Hrug.
Das Wort DETAIL wird in 3,5 m hohen und 0,5m dicken Buchstaben dreidimensional gebaut. Sie sehen aus wie aus Stein oder Beton. Ein Detail so gro? wie eine Hausmauer. Es bildet so eine Wand f?r den sonst halboffenen Vorraum zum Theatersaal, wo die Veranstaltung stattfinden. Die Besucher m?ssen also durch das Wort, das eine Schleuse bildet, hindurchgehen (und bezahlen, weil dahinter die Kasse ist), um in den Saal zu gelangen.
Detail ist sowohl deutsch, franz?sisch und englisch.
Es gibt eine Verwandtschaft zu Magrittes 'Ceci n'est pas und pipe' und seinen gemalten Steinbuchstaben.
Portraitgalerie
Im Rahmen der BERLINER SURREALE wird eine Ausstellung des Malers J?rgen Keilwerth entstehen. ?ber den Zeitraum des Festivals werden Besucher wie Akteure portraitiert. Das Modell soll durch die Erz?hlung seiner Geschichte oder seiner Phantasien aktiv bei der Entstehung des Portraits mitwirken. Der Ursprung des Bildes liegt hier nicht im ?u?erlich sichtbaren, sondern in der Erfahrung des Mitgeteilten. Der Proze? der Malerei steht im Vordergrund und wird mit der Technik der "?criture automatique" umgesetzt, ein unbewu?tes automatisches Zeichnen ohne Plan und Konstruktion. ?hnlichkeiten zur Chinesischen Schriftenmalerei sind nicht ausgeschlossen. Es sollen ca. 80 Portraits entstehen, die w?hrend des Festivals ausgestellt werden