T A N Z

Secret Service

von Felix Ruckert
Wiederaufnahme vom Erfolg im Februar 2001

W I E D E R A U F N A H M E:
14., 15., 16., 17., 21., 22., 23., 24., 25.
August 2002
permanenter Einlaß von 20 bis 22 Uhr
keine Reservierungen

Kunst ist Verführung, nicht Vergewaltigung, und Kunst kann nicht verführen, ohne das Einverständnis des erfahrenden Subjekts.“ Susan Sontag

"Leiblabor: Unser Leib als Bewegungsorgan ist Offenstehen von Welt im Medium der Sinnlichkeit. In ihm bündelt sich ein intersensorisches Geschehen aus dem Raum und Zeit als Gestalten der Bewegung hervorgehen.
Unser Leib ist nicht im Raum, er selber ist das Geschehen von Raum. Unser Leib ist nicht in der Zeit, er selber ist das Geschehen von Zeit. Um dieses Geschehen zu realisieren hilft kein Denken und Zuschauen. Nur die lebendige Erfahrung der Leibbewegung selbst kann uns gewahren lassen, woher unsere Bewegung kommt. Die Fernsinne Sehen und Hören distanzieren uns beim Zuschauen und Zuhören von diesem Geschehen, das wir selbst ja immer schon sind, aber nur selten eigens darauf achten. Nur die radikale Zuwendung zu den Nahsinnen läßt das Äußerliche wirklich innerlich werden. Wir selber werden zum Ort der Kunst, nicht, indem wir Bedeutungen verstehen, sondern indem wir zum Ort und zum Augenblick der Bedeutungsschöpfung werden. Durch die Sinne geht neuer Sinn hervor.
“ von Rolf Elberfeld

Keine Kunst. Kein Geschwätz. Dieses Stück wird Sie berühren. Zärtlich. Lustvoll. Direkt.
Die neue Arbeit der Cie Felix Ruckert verweigert die Simulation jeglicher Bedeutung und beschränkt sich auf das konkrete physische Wahrnehmen, der direkten Erfahrung von Bewegung, Zärtlichkeit, Lust und Schmerz. Secret Service ist angewandte Anthropologie: das Individuum unterwirft sich dem Stück, es liefert sich völlig aus. Es wird zum Mittelpunkt eines Geschehens von dem es lediglich über Anfang und Ende mitbestimmt. Sein Körper ist Studienobjekt und Aktionsfeld. In STUFE 1 werden dem Gast die Augen verbunden. Daraufhin wird er bewegt und geführt, versucht und verführt, manipuliert und herausgefordert. Sein Körper gehört den Tänzern, die ihn begleiten und ermuntern. Nach einer Pause gibt es die Möglichkeit, auch STUFE 2 zu probieren. In STUFE 2 werden dem Gast die Hände gebunden. Das Spektrum der Sinneseindrücke erweitert sich um Lust und Schmerz.

Briefe von Gästen:

1. „Ich war absolut hin und weg von Secret Service! Es fiel es mir leicht, mich nach kurzer Zeit ganz fallen zu lassen, mich zu vergessen und ganz den taktilen, akustischen und sonstwie-non-visiblen Reizen auszuliefern. Es funktionierte, und es war phantastisch! Die Urangst vor Blindheit und Kontrollverlust ist sehr angenehmen Assoziationen gewichen - das war wie eine therapeutische Wandlung. Sehr angenehm war auch die konstruktive Konfusion, die dadurch entstand, selbst als Teil eines blinden Publikums ganz nackt den Blicken der Künstler/Voyeure ausgesetzt zu sein: Alle Tänzer konnten alles von mir sehen, und dennoch war ich anonym unter dem Publikum. Von anderen Besuchern weiß ich von dem dringenden Wunsch, die Augenbinde abzunehmen und die Szenerie zu erblicken - die Phantasie war dann wohl doch zu spannend, als daß sie hätte ausgehalten werden können. Ich bin süchtig geworden nach mehr.

2. “Eine neue und andere Erfahrungen und ein sensibler Umgang mit den Gästen, bzw. mir! Aber ich sehe auch eine gewisse Gefahr in den unabsehbaren emotionalen Folgen sowie eine Chance. Ich kann mir vorstellen, dass sich nicht alle Gäste bewusst sind über die psychische Nachwirkung, die aus meiner eigenen Erfahrung tief war (ich war nicht nur einmal hier!). Diese Stück trägt eine sehr grosse Verantwortung- und die Gäste auch. Die Folgen sind unabsehbar. Ich persönlich bin dankbar für die Erfahrung.“

3. „Ganz im Augenblick verweilend, die Zeit und alles um mich herum vergessend. Nur in intensivem Körperkontakt mit dem Partner. Wunderbar. Das war Level 2. Aber auch Level 1 war ein großes Experimentier- und Erlebnisfeld. Und ich danach beschwingt und fröhlich. Ein wundervolles Stück. Die Atmosphäre, das Gesamtbild erweckten in mir das Gefühl von Respekt, und Vertrauen. Das Austesten von Grenzen war Thema: Für mich gab es keine Grenzverletzung. Ich hatte zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, alles mit beeinflussen zu können. Deshalb konnte ich mich so gut darauf einlassen. Es gab mir ein großartiges Gefühl von Freiheit. In diesem Sinn gab es durchaus Grenzüberschreitungen in mir selbst.

4. „Ganz im Augenblick verweilend, die Zeit und alles um mich herum vergessend. Nur in intensivem Körperkontakt mit dem Partner. Wunderbar. Das war Level 2. Aber auch Level 1 war ein großes Experimentier- und Erlebnisfeld. Und ich danach beschwingt und fröhlich. Ein wundervolles Stück. Die Atmosphäre, das Gesamtbild erweckten in mir das Gefühl von Respekt, und Vertrauen. Das Austesten von Grenzen war Thema: Für mich gab es keine Grenzverletzung. Ich hatte zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, alles mit beeinflussen zu können. Deshalb konnte ich mich so gut darauf einlassen. Es gab mir ein großartiges Gefühl von Freiheit. In diesem Sinn gab es durchaus Grenzüberschreitungen in mir selbst.

 

Choreographie / Konzept: Felix Ruckert
mit: Catherine Jodoin, Lara Martelli, Malah Helman, Elettra de Salvo, Isabelle Schad, Florian Bilbao, Matthieu Burner, Delta RA’i, Felix Ruckert, Gabriel Staelen, u.a.
Musik: Eastpole, Christian Meyer Mal
gefördert durch den Senat für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin
produziert von DOCK 11