P R E S S E M I T T E I L U N G

THEATER

Wandertrilogie, Teil III eine Geographie des Verschwindens:

KleinerPrinzNachtflug
nach zwei Erzählungen Saint Exupérys mit Nino Sandow

PREMIERE:
14. September 2003
weitere Vorstellungen: 15.-21. Sept. 2003
jeweils um 20.30 Uhr

Regie: Karl Huck - Gaukler: Nino Sandow - E-Gitarre: Olaf Thomsen

DER KLEINE PRINZ setzt den Schlusspunkt unter der Trilogie des Verschwindens, deren erste zwei Teile ARTHUR RIMBAUD - DIE AFRIKANISCHE REISE, FEINHERZ DER FINSTERNIS und MOBY DICK im vergangenen Jahr bereits am DOCK 11 uraufgeführt wurden. DER KLEINE PRINZ ist die dritte, noch ausstehende Arbeit an der Trilogie. Sie wird am 14. September 2003 in das Dock 11 einlaufen. Eine kurze Wegbeschreibung soll den inhaltlichen Bezug der Stücke skizzieren: DER KLEINE PRINZ, Wanderertrilogie Teil 3Er geht durch unsere Kinderzimmer wie der Struwwelpeter oder Grimms Märchen und bleibt wie diese hängen im Bücherregal. Aber DER KLEINE PRINZ ist wie ein zu spätes Märchen. Je älter ich wurde, desto fremder wurde mir das Buch. Allenfalls die Zeichnungen und einige Sätze vom Fuchs blieben mir gleichermaßen berührend und erinnerlich. Meine Lieblingszeichnung aber blieb immer der Hut, der eine Riesenschlange war, die einen Elefanten verschluckt hatte. Mich irritierte jedoch zunehmend die Qualität der Fragen, die immer irgendwo abbrachen. Da wo ich weitere Fragen gestellt hätte, drehte sich der kleine Prinz einfach um. Oder der Erzähler gab eine belehrende, mir unangenehm vereinfacht erscheinende Antwort. Ich dachte also nach, welche Fragen ich dem Fuchs, der Schlange oder dem Säufer stellen könnte. Und immer wieder dachte ich darüber nach, woher sie wohl gekommen sind und letztlich auch der kleine Prinz. Denn die Vergangenheit tarnt sich gern als Prolog.

Nachtflug ist eine Schlüsselerzählung. Ein Flughafen im Krieg. Ein Chef. Schonungslos den Fliegern gegenüber und sich selbst. Er bestimmt die Bedingungen der Flieger, ihren Einsatz, ihren Rhythmus, das Ausmaß des Risikos. Die Männer akzeptieren das. Warum? Oben in der Luft jedoch sind sie allein, auf sich selbst zurückgeworfen, umgeben von einem Zyklon der Tod heißt. Nur der Auftrag verbindet sie mit der Landebahn. Der Chef ist scheinbar ohne Fragen. Unten auf dem Flugplatz ist er auf sich selbst zurückgeworfen. Er wartet, wartet auf die Flieger. Er muss Antworten haben, jederzeit unabdingbar. Ein schwerer Job. Die kleine Rose wartet auf den Prinzen. Das ist klar. Und doch ist die Klarheit porös, umgeben von einem Zyklon, in dessen Auge es windstill sein soll.

Arthur Rimbaud, Wanderertrilogie Teil 1,
schrieb Gedichte bis zum 21. Lebensjahr. Danach nie wieder. DAS TRUNKENE SCHIFF war der Aufruhr in der Lyrik des 19. Jahrhunderts. Dann zog er 15 Jahre durch Afrika, handelnd mit Kaffee und Waffen. Sterbend in Marseille und Fäulnis im Bein. Dinge zu tun, blieb ihm allemal sinnvoller, als Verse zu setzen. Ihm war der erste Abend gewidmet.

"Was für ein Blödsinn, Du hättest der Lyrik abgeschworen. Kennen sie nicht Deinen Bericht über das Land der Ogaden? OGADEN. Selten auch so klare Worte zur Dummheit, dem Unmaß der Kolonialpolitik gelesen. Ja, Arthur, die Welt sich in die Augen, in den Bauch holen. Maßtabellen, Landvermessungen, Sonnenglut auf Aden, der Dreck, die Einsamkeit, die Neger. Welche Verzweiflung aber auch welche Genauigkeit gegenüber der Hilfsbedürftigkeit der Worte. Ich sage Dir, Dein so unbarmherzig zweigeschnittenes Leben ist nur die Folge dieses immer währenden Hungers nach der Grenze, wo die Menschen und Dinge sich nicht mehr verstecken können. Die Wüste. Der Tau. Da ist es zu Hause, das Feinherz der Finsternis." Rimbaud

MOBY DICK, Wanderertrilogie Teil 2
Ungeheuer Roman. Ungeheuer Wal. Zu Lebzeiten Melvilles, erschienen 1851, war das Buch kein Bestseller. 1853 verbrannten alle Stereoplatten seiner Bücher. Melville starb am 28.09.1891. Sein letzter Beruf: Zollinspektor. Jahrzehnte später, ,,Mobby Dick" ein amerikanisches Volksbuch.Der Gaukler des Abends, wurde 70 Jahre später geboren, gleichen Tags. Und sterben möchte er am Meer. Jeder, der eine Nacherzählung dieser Geschichte von Ahab und dem weißen Wal erwartet, muss selbstverständlich enttäuscht werden.Aber von einem Wal, der auftaucht, verschwindet und gejagt wird, erzählt der Abend. Auch von der Liebe, die auftaucht, verschwindet und gejagt wird. Vom Meer und den Liedern davor. Von der Stille. Vom Ungeheuer Mensch, das auftaucht, verschwindet ohne Bescheidenheit und sich fragen muss, ob es einmal so schön wie der Wal seinen Rücken aus dem Leben biegen kann. Vom Fresser Mensch, der immer hungriger kommt aus seinen Fleischfabriken.

Wanderertrilogie - eine Geographie des Verschwindens. Wenn einer wandert, wandert das Verschwinden mit. Geht einer auf Wanderschaft, werden die Berichte nicht die Schritte und Wege, Orte und Pausen ersetzen. Die Notwendigkeit von Fragen bleibt. Wesentlich dahinter oft die Frage an den eigenen Aufbruch. Alle Wanderer sind Autoren und Leser eines Rasters, das über den Dingen liegt, unsichtbar für viele, verzweifelnd, oft aber nicht zwingend tödlich für den, der es liest. Tagtäglich erreichen uns Botenberichte aus der Welt, die unser Leben im Stundentakt verändern müssten. Die Botenberichte verschwinden gelassen in unserem Bewusstsein. Aber sie holen uns ein im Minutentakt.Haben wir keine Fragen mehr an den Rändern und Löchern, wo die Spuren verschwinden?Wir beugen uns hinab und schmeißen einen Stein. Die Welt ist übervoll. Es drängt sich. Hin zum Rand. Und keine Fragen mehr nach der Qualität und dem Anlass von Scheitern. Wanderung und Verschwinden, Abwesenheit und die Notwendigkeit von Abwesenheit. Denn wie kann der Mensch in Permanenz leben, ohne sich umzuschauen? Muss man so mutig sein, selbst die Enttäuscher noch zu enttäuschen? Drei Wanderungen, drei Abende.