T A N Z / T H E A T E R
Leise schwimmt
der Mond
durch mein Blut

Else Lasker-Schüler: ihr Leben -
ihre Liebe - ihre Lyrik
TanzTheaterstück von Olga-Elena Ost
mit dem Ensemble TSM

voraussichtlich April 2000
jeweils 20.30 Uhr

Mitwirkende: Beate Kortenkamp, Riccardo Pedroza de Lima, Susanne Lüpertz, Natalia Myasoedowa, Esther Kim Schmoldt.

Das schwindelerregende Leben und lyrische Werk der Else Lasker-Schüler bietet dem multinationalen TanzTheater-Ensembie TSM vielfältiges lnspirationsmaterial. Im TanzTheater der Olga-Elena Ost wird Else Lasker-Schüler durch drei Frauen verkörpert. Eine Tänzerin, eine Sängerin und eine Schauspielerin stehen für das chamäleonartige Wesen dieser Schriftstellerin und die schillernden Facetten ihrer Kunst. Einige exemplarische Stationen und Themen aus dem Leben der Else Lasker-Schüler, wie die Liebe zu Gottfried Benn oder ihre Lust an Masken und Verwandlungen, werden im Stück collagenartig ineinander verwoben. Ihre Lyrik wird zu Wort kommen. Durch die Einbeziehung der künstlerischen Bereiche Tanz, Gesang, Schauspiel, Musik und Film soll ein assoziatives Stück mit einer ans Surreale errinnernden Formensprache gefunden worden, die das "Fremde' und "Andersartige' bei dieser freiheitssüchtigen Künstlerin erforscht.

Else Lasker-Schüler: Ein Loben in Extremen

Else Lasker-Schüler wird am 11. Februar 1869 als sechstes Kind des jüdischen Privatbaniers Aron Schüler und seiner Frau Jeanette in Eibersfeld, dem deutschen Manchester, geboren. Im kaiserlichen Deutschland der Gründerzeit lebt die Familie Schüler im relativem Wohlstand aufgeklärter Juden und genießt gesellschaftliche Anerkennung. Vater, Mutter, die zwei Schwestern und drei Brüder stellen den wesentlichen Teil des Figurenarsenals der späteren Schriftstellerin Else Lasker-Schüler. Noch im hohen Alter schreibt sie die glühendsten Gedichte an die längst verstorbene Mutter, an der sie hängt wie an ihrer Kindheit, aus der sich ihr gesamter literarischer Fundus' speist: die Lust an den Worten, an der Sprache, das Muster der Träume sowie die Erfahrung der Einsamkeit und Verlassenheit. Ihr einziger Sohn Paul, (gezeugt während einer außerehelichen Liaison zu einem Unbekannten), für den sie sich in ihrem unbehausten Leben aufopfert, stirbt mit 18 Jahren an Tuberkulose. Sie fühlt sich ihr Leben lang schuldig an seinem Tod.

Ihr Leben war ein ständiges Spiel mit Masken und Verwandlungen. Neben vielen anderen taucht ein Name immer wieder auf: "Jussuf, Prinz von Theben', ihre Identitätsfigur. So unterzeichnet sie ihre Briefe, er prägte ihr imaginäres, poetisches Reich. Mit ihren kurzen Haaren, der knabenhaften Figur, männlichem Anzug und orientalischem Flitterkram angetan, war sie einerseits eine Provokation für die damalige Gesellschaft und wurde andererseits verfolgt von einer Handvoll glühender Verehrer in den literarischen Cafés vor 1933. Dieses androgyne Wesen, "Jussuf, Prinz von Theben', erfand sie vor allem für Gottfried Benn. Kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs lernte sie den siebzehn Jahre jüngeren Arzt und Dichter kennen und lieben. Sie nennt ihn "König Gieselheer'. In lyrischen Texten feiert das Paar eine kurze und leidenschaftliche, aber tragische Liebesbeziehung. Lebenslang können beide einander nicht vergessen.

Liebessehnsucht, Enttäuschung und Verlusterfahrung begleiten sie auf ihrer Lebensreise, Traumreise, Lebensflucht oder ihrer Flucht in den Traum. Am Ende ihres Lebens wird auch der große Traum von der gelobten Stadt Jerusalem enttäuscht, denn die erlebte Realität hatte nichts mit ihrer Vorstellung zu tun. Was bleibt, ist das Gefühl des Fremdseins.

"Sie aß nie regelmäßig, oft lebte sie woche#71ang von Nüssen und Obst. Sie schlief oft auf Bä,7ken und sie war arm in allen Lebenslagen und zu allen Zeiten. Das war der Prinz von Tbeben, Jussof, Tina von Sagdad, der schwarze Schwan. Und dies war die grä,6te Lyrikerin, die Deutschland hatte. '

So beschrieb Gottfried Bonn in einem Nachruf Else laskor-Schüler, seine einstige Geliebte, die 1945 völlig verarmt und vergessen in Jerusalem starb.

Zum Stück:"Leise schwimmt der Mund durch mein Blut
Im TanzTheater der Olga-Elena Ost wird Else Lasker-Schüler durch drei Frauen verkörpert. Eine Tänzerin, eine Sängerin und eine Schauspielerin stehen für das chamäleonartige Wesen dieser Schriftstellerin und die schillernden Facetten ihrer Kunst. Zugleich zeigen sie die verschiedene Lebensalter der Frau an, die selbst ihr Alter immer verleugnet oder geschönt hat. Einige exemplarische Stationen und Beziehungen aus dem Leben der Else Lasker-Schüler werden im Stück collagenartig ineinander verwoben. Ihre Lyrik wird zu Wort kommen, weil sie der Schlüssel zu ihrem Fühlen und Denken ist. Vermischt mit den eigenen Erlebnissen der Künstler und durch die Erforschung der künstlerischen Bereiche Tanz, Gesang, Schauspiel, Musik und Film "soll ein assoziatives Stück mit einer ans Surreale errinnernden Formensprache gefunden werden, die das "Fremde" und "Andersartige" bei dieser freiheitssüchtigen Künstlerin Else Lasker-Schüler erforscht. Der lebenslange Kampf um ihre Rolle als unabhängige Künstlerin und der Sehnsucht nach den ganz bürgerlichen Tugenden Geborgenheit, Nähe, Liebe, Familie und finanzielle Sicherheit rang dieser Frau schier unmenschliche Kraftanstrengung ab. Ihr einziger Ausweg war die Kunst.

Das Ensemble TSM

Das Ensemble TSM -Theatrum Somnium Modusae- ist ein internationales TanzTheaterensemble und wurde 1984 in Bielefeld von der griechischen Tanzpädagogin und Regisseurin Olga-Elena Ost gegründet. Seitdem hat es sich, vor allem in Nordrhein-Westfahlen, einen hervorragenden Ruf als experimentell-avantgardistisches TanzTheaterensemble erarbeitet.
Die assoziative Arbeitsweise des Ensembles TSM ermöglicht es, die unterschiedlichsten Grenzbereiche der Bühnenkunst einzubeziehen und die individuellen Ausdrucksformen von Tänzern, Schauspielern und Musikern optimal zur Geltung zu bringen. Das Ensemble versucht, die Berührungsmöglichkeiten von Tanz, Theater, Gesang und neuerdings auch Film zu erforschen. Dabei hat sich ein eigenwilliger und im Schwerpunkt choreographisch-bildnerischer Stil entwickelt, der mit den verschiedensten formalen und thematischen Sujets experimentiert. Im März 1999 hatte das Ensemble mit "Fragment Orfeo' im Ballhaus Naunynstraße seine Berlin-Premiere.

Leise schwimmt der Mond durch mein Blut

Über dein Gesicht schleichen die Dschungeln. / O, wie du bist / Deine Tigeraugen sind süß geworden / In der Sonne. / Ich trage dich immer herum / Zwischen meinen Zähnen.
Du mein Indianerbuch, Wild West, Siouxhäuptling! / Im Zwielicht schmachte ich
Gebunden am Buxbaumstamm- / Ich kann nicht mehr sein
Ohne das Skalpspiel. / Rote Küsse malen Deine Messer
Auf meine Brust- / Bis mein Haar an deinem Gürtel flattert.