LABORATORIUM II - im Prinzip Tanztechnik
Zeitgenössische Tanztechniken, Tanzmethoden, Tanzsysteme im VergleichZeitgenössische Künster- und Pädagogenpersönlichkeiten mit multiplem eigenen Hintergrund treffen zusammen und beleuchten das Thema Tanztechnik im zeitgenössischen Tanz und diskutieren es. Der Zugang von zwei Seiten kristallisiert dabei grundlegende Begriffe, Prinzipien und Konzepte der verschiedenartigen Angebote der bestehenden Techniktrainings- und Tanz- sowie Unterrichststile. Der Zugang zur Fragestellung geschieht aus Sicht einer (bedingt) allgemeingültigen Voraussetzung druch die Anfordernisse des Körpers. Da natürlich auch die einzelnen Körper (auch als "body-mind"-Einheit) sich unterschieden, ergibt sich auch hieraus kein allgemeingültiges Trainingskonzept, das zu jedem Körper zu jeder Zeit passt. Die Begriffe entsprechen jedoch Prinzipien, die technikübergreifend sind und somit durch unterschiedliche Gewichtung das individuelle Training definieren können. Sie werden durch den Vergleich der unterschiedlichen Zugangsweisen in den verschiedenen Tanzstilen entwickelt. Eingeschlossen werden hier ebenfalls die neuropsychologischen Gegebenheiten von Bewegungsgenerierung und Bewegungslernen. Bereits im Vorfeld gestellte Untersuchungsfragen für das Laboratorium II, bieten den Einstieg in das Untersuchungsgebiet. Durch den offenen Prozess innerhalb des Labors werden sich weitere Fragen ergeben und Schwerpunkte zeigen.
# Mitwirkende: Anke Hauerstein, Stephanie Maher, Amanda Miller, Yeri Anarika Sanchéz, Irene Sieben, Anja Weber
Hardi Barnewold, Labor Gras, Tomi Paasonen, Peter Pleyer, Felix Ruckert, Thomas Schallmann
# Wissenschaftliche Begleitung: Yvonne Hardt
# Konzept: Kirsten Seeligmüller und Anja Weber
# Das Projekt ist Teil einer Recherche des "Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz - Pilotprojekt Tanzplan Berlin", einer Kooperation der Partner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", TanzRaumBerlin Netzwerk, Universität der Künste
# gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, im Rahmen von Tanzplan Deutschland, einem Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes.
19. bis 30. Juni 2006,
jeweils montags bis freitags von 9-18 Uhr
Open Lab:
21., 23., 28., 30. Juni 2006
15-18 Uhr
Für alle Tanz-Interessierten. Hier werden Resultate des Labors praktisch erprobt und diskutiert.
Im Zusammenhang mit dem Pilotprojekt zur zeitgenöschen Tanzausbildung in Berlin hat Anja Weber in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe einen Fragebogen zusammengestellt, den ihr im Anhang findet. Der Fragebogen soll helfen Eure Meinung im Prozess einzubeziehen. Ihr könnt den Fragebogen stichwortartig oder ausführlich beantworten, die Fragen die euch nicht interessieren weglassen und ihn an dokumentation@dock11-berlin.de senden.
Innerhalb des Laboratoriums II finden 4 öffentliche Labs mit einem praktischen Teil und anschließender Diskussion statt. Das Open Lab ist für alle Tanzschaffenden offen. Vorraussetzung zur Teilnahme ist lediglich, den Fragebogen auszufüllen.
21., 23., 28., 30. Juni 2006
15-18 Uhr
Fragebogen: ____ deutsch ___ englisch
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Anja Weber
Auf der Suche nach zeitgenössischer Tanztechnik
Im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen Studiengangs für zeitgenössischen Tanz am neu zu schaffenden hochschulübergreifenden Zentrum in Berlin stellt sich die Frage nach einer zeitgenössischen Tanztechnik, die sowohl der Individualität der einzelnen StudentenInnen und auszubildenden KünstlerInnen gerecht wird, wie sie auf die vielfältigen Anforderungen des Berufsfeldes (der Arbeit als TänzerInnen für unterschiedliche ChoreographInnen, als ChoreographInnen und TanzpädagogInnen) vorbereitet.
In zwei Laboratorien wird daher nach grundlegenden oder divergierenden Kriterien für den Tanzunterricht gesucht, die als Vorlage für das Curriculum des Tanzstudiums dienen sollen.
Laboratorium II "Wissenstransfer über zeitgenössische Tanztechniken und Tanzstile"
In diesem Labor soll versucht werden, durch Zusammentreffen von zeitgenössischen Künstlerpersönlichkeiten mit multiplem eigenen biographischen Technik-Hintergrund das Thema der Tanztechnik im zeitgenössischen Tanz zu beleuchten und zu diskutieren. Durch den Zugang von zwei Seiten sollen hier grundlegende Begriffe, Prinzipien und Konzepte der verschiedenartigen Angebote der bestehenden Techniktrainings und Tanz- sowie Unterrichtsstile heraus kristallisiert werden. Diese Begriffe helfen sowohl den Studenten ihre eigene Ausbildung, ihre Stärken und ihre Schwächen besser zu verstehen. Sie sind außerdem notwendig für die Planung ihres weiteren Studiums, das sie selbst als eigenständige Persönlichkeiten auch mit entwickeln können und müssen. Andererseits bieten sie vor allem auch den Dozenten und Mentoren/Beratern der Studenten die nötige Begrifflichkeit und das Handwerkszeug für die individuelle Förderung der Entwicklung zu Künstlerpersönlichkeiten, die sich zwischen den Polen der Authentizität und Vielseitigkeit als TänzerInnen und ChoreographInnen positionieren können. Durch die Entwicklung stilunabhängiger Begriffe, die sich auf die Wirkprinzipien von Tanztechnik auf den Körper beziehen, wird auch das Fundament für einen tanzpädagogischen Blickwinkel gelegt. Dies ist die Voraussetzung für tanzpädagogische Tätigkeit unabhängig von der Zielgruppen, auch außerhalb des professionellen Bereichs.
Der Zugang zur Fragestellung innerhalb des Laboratoriums II geschieht aus Sicht einer (bedingt) allgemeingültigen Voraussetzung durch die Anfordernisse des Körpers. Da natürlich auch die einzelnen Körper (auch als "body-mind "-Einheit) sich unterscheiden ergibt sich auch hieraus kein allgemeingültiges Trainingskonzept, das zu jedem Körper zu jeder Zeit passt. Die Begriffe entsprechen jedoch Prinzipien, die technikübergreifend sind und somit durch unterschiedliche Gewichtung das individuelle Training definieren können. Sie werden durch den Vergleich der unterschiedlichen Zugangsweisen in den verschiedenen Tanzstilen und Techniken sowohl bezogen auf den Körper (1) wie auf grundlegende Bewegungen und Bewegungsprinzipien (2) entwickelt. Eingeschlossen werden hier ebenfalls die neuropsychologischen Gegebenheiten von Bewegungsgenerierung und Bewegungslernen. Im Folgenden werden Untersuchungsfragen für das Laboratorium II formuliert. Sie bieten den Einstieg in das Untersuchungsgebiet. Durch den offenen Prozess innerhalb des Labors werden sich weitere Fragen ergeben und Schwerpunkte zeigen.
Zu 1) Fokus auf den Körper als body-mind-Einheit.
So stellt sich die z.B. Frage nach differenzierter Ausbildung der Muskelstrukturen sowie Betrachtung des Muskeltonus im Allgemeinen. Die Entwicklung einer richtigen Haltung/Platzierung (placement) also einer eher skelettal-anatomischen Ausrichtung ist ebenfalls von grundlegendem Interesse. Psychisch wie physisch fundamental ist auch die Frage der Atmung.
Welchen Stellenwert und welche Bedeutung die Herausbildung von Flexibilität sowie die Entwicklung von gehaltenen und statischen Posen und Positionen für die jeweiligen Bereiche hat, wird ebenfalls untersucht werden.
Insbesondere aus der neuropsychologischen Betrachtungsweise kommend stellt sich die Frage nach den Körper-, Raum- und Bewegungskonzepten, die durch Tanztraining gebildet werden. Es handelt sich hierbei um Körperrepräsentationen (vgl. auch Körperschema), Raumrepräsentationen (z.B. im Ballett vs. Laban-Cube) und Bewegungskonzepten (Impulsgebung, Bewegungsfluss, zeitliche und rhythmische Struktur etc.), die sich in den jeweiligen Tanztechniken durchaus unterscheiden, jedoch bisher noch nie systematisch verglichen wurden (mit Ausnahme der Körperrepräsentationen, die teilweise Gegenstand tanzwissenschaftlicher Forschung waren).
Grundsätzlich wird im zeitgenössischen Tanz eine Mischung von hoch überlernten, d.h. automatisierten Bewegungen (wie sie auch in klassischeren Techniken durch wiederholtes Üben erreicht werden) sowie eine Offenheit für spontane Bewegungsgenerierung (durch Improvisationstechniken) erwartet. Welche Konzepte stehen dahinter? Wie kann man diese beiden fast gegensätzlichen Anforderungen kombinieren, dass authentische Bewegungen bei fundierter Tanztechnik möglich sind?
Im Zusammenhang mit Prinzipien der Bewegungsgenerierung sollen sog. Links als Konzepte von spielerischen Variationen von Bewegungen und das Aufbrechen von Bewegungsmustern auch durch Inputs aus Sprache, Musik oder bildender Kunst/Architektur Gegenstand der Untersuchung sein. Welche Zusammenhänge gibt es zwischen abstrakten einzelnen konkreten Bewegungen, sozusagen als Bewegungssyntax oder lassen sich alle Bewegungsarten beliebig kombinieren?
Auch psychische Wirkfaktoren spielen im Tanz (im Training wie bei der Performance) eine wichtige Rolle. Hier kann beispielsweise die Bedeutung von Flow-, Ekstase- oder gar Trance-Phänomenen für zeitgenössische Tänzer diskutiert werden.
Zu 2) Fokus auf Bewegungsprinzipien
Durch die Untersuchung grundlegender Bewegungsarten (Gehen, Laufen, Drehen, Springen, Federn etc.) sollen insbesondere physikalische (im Gegensatz zu physischen bei Punkt 1) Anforderungen in die Betrachtung mit einbezogen werden. Im Mittelpunkt steht hier die Arbeit mit Gewicht und Schwerkraft in der Bewegung. Darüber hinaus werden Begriffe wie Impulsgebung und -zentrum, Energie und dynamische Qualitäten eine wichtige Rolle spielen. Der Umgang mit ihnen unterscheidet sich nicht nur in den verschiedenen Trainingstechniken sondern vor allem auch zwischen den einzelnen Lehrern/Choreographen sehr stark.
In engem Zusammenhang mit den dynamischen Qualitäten steht die Frage nach den zeitlichen Faktoren, also metrische und rhythmische Umgangsweisen. Ist der Bewegungsfluss sprachlich phrasiert oder stehen eher metrisch-musikalische und rhythmische Strukturen im Vordergrund. Die zeitliche Ebene wirkt sich in besonderem Maße auch auf den Körper aus, und zwar sowohl in Hinblick auf die Muskelausbildung (Verteilung von schnellen und langsamen Muskelfasern) als auch in besonderem Maße auf die Entwicklung neuronaler Programme. Auch dieses Gebiet, das auf der Bühne ganz besonders in der Handschrift der einzelnen Choreographen präsent ist, wurde bisher im Zusammenhang mit Training und Unterrichtskonzepten für modernen und zeitgenössischen Tanz noch kaum diskutiert. Am ehesten sind ähnliche Fragen im Zusammenhang mit Jazz-Dance-Training bereits aufgetaucht.
Die Gebiete Richtung und Raum wurden bereits oben bei der Ausbildung von Körper-, Raum- und Bewegungsrepräsentationen im Gehirn angesprochen. Bewegung kann immer von jeder dieser drei Positionen (Körper, Raum und Richtung) gedacht werden, was sich je nach Ausgangspunkt völlig anders anfühlt. Insbesondere in zeitgenössischen Improvisationstechniken wird mit derartigen Konstrukten gespielt und damit eine besondere körperliche und geistige Flexibilität erreicht, die Einseitigkeiten sowie fehlerhaften und krank machenden Bewegungsmustern entgegenwirkt. Auch Körperarbeits- und Imaginations- und Visualisierungstechniken setzen hier an.
Das Laboratorium II wird aus Choreographen/Tänzern/Trainern/Pädagogen bestehen, die selbst verschiedene Techniken beherrschen und in ihrer eigenen Arbeit einen authentischen individuellen Ansatz zeigen. Durch die Formulierung von Prinzipien (vorbereitet und zunächst in 30 min Referaten präsentiert) und den Vergleich untereinander durch gemeinsame Diskussionen, Demonstrationen und eigenes Ausprobieren soll eine gemeinsame Sprache mit unterschiedlich zu gewichtenden Begriffen über Tanz- und Trainingstechnik für zeitgenössische Tänzer gefunden werden.