Be van Vark und das WWW.TANZTHEATER-GLOBAL.COM mit
"Urban Delights" im DOCK 11 zu GastAuf raffinierte Weise verbindet "Urban Delights" vom www.tanztheater-global.com die unterschiedlichsten Tanzrichtungen (vor allem Modern-Vokabular gepaart mit Ballettbewegungen und an vielen Stellen mit starken Abfolgen von Breakdance-Sequenzen) mit Videomaterial (vornehmlich in Berlin und seiner Umgebung aufgenommen), das auf und in den Bühnenraum projiziert wird. Der chaotische Schmelztiegel der Großstadt Berlin mit seinen sehr unterschiedlichen Individuen steht im Blickfeld der Betrachtung ("Es ist alles da. Aber nehmen wir es wahr? Oft werden wir weder berührt, noch berühren wir. (...)", so der Pressetext.) Auf vielfach humorvolle Videosequenzen treffen kraftvoll und teilweise sogar virtuos eingesetzte Körperbewegungen und -akrobatik der 35 (!!) TänzerInnen mit ganz unterschiedlicher internationaler Herkunft. Da mischen sich Berliner Tänzer mit Kollegen aus 10 weiteren europäischen Groß- und Kleinstädten. Der Tanz verbindet - wie auch das Projekt sich von vornherein als eine Grenzen überschreitende, international wirkende Arbeit versteht. Hier tanzen Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männer, im Alter von 13 bis 49 Jahren in der Produktion gemeinsam. Und jeder steht in seiner individuellen Körpersprache ausdrucksstark und mit vollem Einsatz auf der Bühne, zwar im tanztechnischen Können auf recht unterschiedlichem Niveau, aber gerade das macht den Reiz des Gesamtprojektes aus. Da stehen sowohl professionelle Tänzer wie auch Laien nebeneinander auf der Bühne und vermitteln eine eindrucksstarke Vielfalt. Da tanzt der schüchterne neben dem kraftvoll selbstbewusst raumgreifenden Akteur und sie ergeben eine Einheit, ein Ganzes.
Teilweise greifen Filmebene und Bühnenraum ineinander motivisch über und verschmelzen sogar in sich. Überblendungen finden räumlich wie auch filmisch statt. Ein raffiniert ausgetüfteltes Spiel mit den Ebenen, das nur an wenigen Stellen dramaturgische Längen zu haben scheint. Da ist der recht klassisch ausgeführte Pas de deux plötzlich wie ein zu starrer Fremdkörper in seiner ausgeführten akademischen Formsprache, vergleicht man ihn z.B. mit dem zwischen Aggressivität und Leidenschaft nicht ganz deutlich ausbalanciertem Duett von zwei jungen Männern. Sind sie Freund oder Feind, oder gar ein Paar?! Sind sie es, waren oder werden es?! Und in einer anderen Szene wird ein nackter Frauen-Torso hinter Glas nicht reißerisch herausgestellt, sondern spielerisch skurril und absurd auf eine unverblümte Weise in Szene gesetzt, was dem Ganzen eine ungeheure Leichtigkeit verleiht. Im letzten Drittel der Tanzfolgen schaukelt sich ein Mädchen fast zu harmlos zu einem schon recht schwülstig zu nennenden eingesprochenen Frauen-Monolog in die selige Einsamkeit. Hinreißend dagegen aber sind wiederum die eingeworfenen Tanzsequenzen im Alltagstrubel des urbanen Lebens innerhalb des Videomaterials, sei es nun auf einem Wochenmarkt, am heimatlichen Alexanderplatz, im Abrissgebäude des Palast der Republik, im Freizeit-Park mit Luftgondeln und lustvoll liebkosten Holzschwänen oder auch an einer sozial-problematischen Ecke Berlins im echten Leben eingefangen. Da ordnet sich das Chaos scheinbar plötzlich für einen kurzen Moment und löst sich doch kurz darauf wieder in seine Einzelteile auf, suchen die Passanten jeweils eine andere Raumrichtung und verstreuen sich in alle Richtungen wieder. Das echte Leben mit Tanzbewegungen konfrontiert, die sich aber auch aus ihm heraus entwickelt haben. Eine reizvolle Konfrontation, die auf lustvolle Art und Weise die vertrauten Plätze neu erfahrbar macht und einem ja fast die Augen öffnet und lauthals fordert: macht doch einfach die Augen auf und seht hin, nehmt wahr. Das alles ist da und auch möglich.
Eine sehr überzeugende Arbeit von Be van Vark und ihrem www.tanztheater-global.com in seiner Wirkung an kraftvoller Jugendlichkeit und Spontaneität im Bewegungsfluss sowie dem wilden Gemisch der unterschiedlichsten Tanzstile.
Die spontan eingeworfene Zugabe der TänzerInnen vom www.tanztheater-global.com wird jubelnd vom vollbesetzten Saal beklatscht. Der Abend trifft sein Ziel und macht neugierig auf die nächsten Projekte.Markus Thiée (30. August 2007) für Tanzinfo Berlin